Ohrlochrekonstruktion

Heute gibt es einen Blogeintrag zu einem etwas anderem Thema als Cosplay :-).

Seit längerem schon hatte ich überlegt, mir meine auf 16mm gedehnten Lobes (Ohrläppchen) wieder klein machen zu lassen. Dazu sei direkt im Voraus gesagt, dass ich niemals! bereut habe, mir meine Ohrlöcher aufgedehnt zu haben, auch wenn das viele direkt annehmen. Es ist einfach so, das sich nach 15 Jahren mein ästhetisches Empfinden diesbezüglich geändert hat. Zudem habe ich damals auch nicht brav anständig langsam gedehnt, sondern viel zu schnell, was hässliche Blowouts auf der Rückseite der Ohrläppchen zur Folge hatte. Falls jemand nicht wissen sollte was das ist: Wenn die Haut zu schnell gedehnt wird und Haarrisse bzw. Risse bekommt, dann bildet sich in diesen entstandenen Gewebelücken neues Gewebe. Dadurch sieht die Haut ausgeleiert und aufgeworfen aus, wie man auf dem Foto unten sehen kann.

Und ja, diesen Begriff kennt man eher von im Sommer durch Hitze aufgeworfenen oder aufgeplatzen Autobahnen :-). Das war zwar nur auf der Rückseite meiner Lobes zu sehen, war aber trotzdem einfach unschön. Auch trage ich z.B. zuhause und im Urlaub am Strand, oder im Schwimmbad oft keinen Schmuck, was zur Folge hatte, das es dann immer gut sichtbar war, was mich selbst immer am meisten gestört hat (was andere denken ist mir da prinzipiell egal).

Ich habe mich also auf die Suche nach jemandem begeben, der mir die Lobes gekonnt wieder in Form bringen würde. Zufällig war ich zu der Zeit beim Muttermal Screening und habe meinen Hautarzt dazu befragt, denn die normale Denkweise wäre ja: „Geh zu einem Arzt, der wird dir schon was sagen können.“ Ich hatte auch vorher gesehen, dass Ohrlochrekonstruktionen wohl auch öfter von Hautärzten oder Schönheitsdoks gemacht werden. Die Antwort meines Hautarztes war dann traurig-amüsant: „Ich habe das schon 2-3x gemacht, ich kann ihnen das auch machen, aber ich schlage mich jetzt nicht drum.“ Naja, wenigstens war er ehrlich :-). Er hat mir dann einen Schönheitsdoktor auf der Kö in Düsseldorf empfohlen. Tatsächlich habe ich dann bei 3 Ärzten auf der Kö angerufen, welche alle Ohrlochrekonstuktionen in ihrem Portfolio auf ihren Internetseiten aufgelistet hatten. Ehrlich gesagt war ich danach etwas schockiert und irritiert…bei 2 Ärzten wusste die Dame am Telefon nicht mal worüber ich spreche, geschweige denn, dass das überhaupt angeboten wird, das war für mich schon ein No go! Die 3. Dame konnte wenigstens mit den Begriff etwas anfangen, auch wenn sie keine weiteren Infos hatte, wollte aber unbedingt das ich direkt einen Beratungstermin ausmache der mich aber 80€ kosten sollte. Einfach unprofessionell in meinen Augen.

Okay, ich gebe zu, ich musste selber erstmal rausfinden wie die Begrifflichkeiten sind und habe erstmal nach „Ohrläppchen verkleinern“ oder „Ohrläppchen wieder schön machen“ gegooglet :-), bis ich dann bei „Ohrlochrekonstuktion“ gelandet bin. Ich erwarte aber vom (Fach)-Personal beim Arzt, das die wenigstens wissen, was sie anbieten und erste Infos dazu geben können.

Lange Rede kurzer Sinn, ich war irgendwann regelrecht verzweifelt und habe dann nach (Tattoo- & Piercing-)Studios gesucht, die vielleicht Rekonstruktionen anbieten. Erst war ich in einer großen bekannten Kette in Düsseldorf, wo ich mich eher schlecht als recht beraten gefühlt habe und man sich mündlich schon mal gegen alle möglichen Probleme die auftreten könnten abgesichert hat. Außerdem waren alle Aussagen sehr mauschelig, keine konkreten Aussagen, kein konkreter Preis, Schmuck sollte angeblich mindestens 6-8 Monate vorher raus, man konnte aber nicht sagen, ob man dann überhaupt willens ist an meine Ohren ranzugehen, und Fotos von schon gemachten Rekonstruktionen hätte man auch nicht. Ging meiner Meinung nach auch gar nicht!

Dann habe ich ein Studio gefunden, das auch viel Bild- und Infomaterial veröffentlicht hat, aber der Bodymodder war auf Weltreise und nicht verfügbar, es sei ihm gegönnt :-). Bei dem Wenigen was es sonst noch an Bildmaterial gab von diversen Studios hat mich nichts wirklich umgehauen, die Bilder haben mal gute, mal schlechtere Ergebnisse gezeigt. Mein Mann hat mich dann bei der Suche unterstützt und auch nochmal gesourced (er ist der google-König was die Suchfunktion angeht!) und mir dann nochmal einiges rausgesucht.

Wirklich positiv überrascht haben mich dann die Bilder vom Tintenwerk in Köln. Sehr viele Vorher-nachher-Bilder, so dass man einschätzen konnte, wie es vor der OP aussieht und wie es nach 2 Wochen nach dem Fäden-ziehen aussieht, und auch nicht nur 10 Bilder, sondern sehr viele mit wirklich guten Ergebnissen! Ich habe dann tatsächlich auch ein bisschen verlinkte Leute gestalkt bei Instagram um zu schauen ob das alles auch „echt“ ist und konnte mich so überzeugen, dass es die Menschen wirklich gibt und wie deren Ohren nun aussehen mittlerweile.

Direkt am darauffolgenden Freitag habe ich dann im Studio angerufen (geöffnet ist das Studio Donnerstag, Freitag und Samstag), und das sogar mehrmals bis ich Casandra erreicht habe. Am Telefon habe ich dann erfahren, dass Sie Freitags immer die Termine für die Rekonstruktionen hat und dann nur in der Pause zwischen den Ohren ans Telefon kann. Völlig nachvollziehbar, das möchte man ja bei sich selber auch so. Ich habe direkt super viele Infos bekommen, ich habe sicherlich auch vor lauter Aufregung Fragen mehrfach gestellt, Casandra hat mir aber sehr geduldig geantwortet, nichts verschwiegen und war sehr offen mit allen Infos. Außerdem war (und ist) Sie mir einfach sympathisch und konnte alles kompetent beantworten.

Die Gesamtkosten für beide Lobes waren mit 600-700€ veranschlagt, was ich sehr fair finde. Als Vergleich dazu: bei den Kö-Ärzten sind eher so Sätze wie „fängt wahrscheinlich so bei 1500€ an“ gefallen. Der Preis war deshalb variabel angesetzt, weil ich die Blowouts hatte und dadurch mehr Arbeitsaufwand entstehen könnte. Am Ende sind es bei mir 700€ geworden, 4 Stunden hat Casandra an meinen Ohren gepuzzelt und JA gepuzzelt im warsten Sinne des Wortes :-). 4 Std. werden bei den Rekonstruktionsterminen immer eingeplant und es gibt keine Folgetermine, damit man zeitlich flexibel ist wenn es doch mal aufwändiger wird, was ich super finde.

Ich habe dann direkt meinen Termin am 17.01.20 gemacht und 200€ via PayPal angezahlt. Auch war ich vor meinem Termin nicht mehr im Studio, offene Fragen hatte ich nach dem Telefonat keine mehr (ich hatte mir vorher eine Liste mit offenen Fragen gemacht), ich hätte aber jederzeit im Studio vorbeikommen dürfen, habe mich aber auf mein Bauchgefühl verlassen, welches mich tatsächlich äußerst selten trügt. Klar, man ist trotzdem immer mal wieder unsicher zwischendurch in den Wochen in denen man wartet das es los geht, es ist – zumindest für mich – ein größerer Eingriff, aber ich war mir absolut sicher, ich will das. Zwei Wochen vor dem Termin sollte ich meinen Schmuck entfernen, damit sich die Haut und das Gewebe entspannen kann und es ist immer wieder spannend wie sich so ein Ohr verändert, wenn man so lange keinen Schmuck trägt. In den ganzen 15 Jahren hatte ich noch nie so lange keinen Schmuck drin, ein komisches Gefühl. Die Blowouts werden in dieser Zeit allerdings noch hässlicher ;-).

Am Tag der OP ging´s dann um 15h los, das Ohr wurde natürlich gesäubert und desinfiziert, dann hat sich Casandra angeschaut, wie sie die Teile einlegen wird um eine schöne Form zu schaffen und hat entsprechend schon ungefähre Linien eingezeichnet. Dann wurde das Ohr rundherum abgeklebt um eine saubere Arbeitsfläche zu schaffen (böse Haare!). Bei dem Eingriff habe ich auf einer Liege mit leicht angewinkelter Rückenlehne sehr bequem gelegen und durfte auch meinen Mann als Begleitung dabei haben, solange er nicht umfällt zwischendurch :-). Dann wurde das Ohr betäubt, kurz darauf ging es los. Dazu muss ich noch sagen, dass ich MEGA nervös war, also so richtig mit Hände zittern und allem! Casandra hat das aber wirklich gut gemacht, sie ist sehr ruhig und sagt einem immer genau was passiert. Sie fragt einen auch immer wieder ob man sich gut fühlt oder etwas unangenehm ist. Gestartet wird mit dem Ohr bei dem voraussichtlich am meisten Gewebe entfernt wird, logischerweise, damit man zwei sich gleichende Ohrläppchen schaffen kann. Mein Mann hat mir dann nachher berichtet, wie sie vorgegangen ist: erst das Loch mit den Blowouts beschnitten, dann die Form innen im V vorgeschnitten und dann die “Brücke” unten durchtrennt. Ich persönlich fand auch die Geräusche nicht unangenehm, man hat aber die Wahl sich etwas ins Ohr stecken zu lassen, falls man lieber nichts hören möchte.

Wer nicht gut Blut sehen kann, sollte schnell über dieses Foto hinwegschauen ;-).

Die beiden Teile wurden in Form gebracht und immer wieder ineinander gelegt, kleine Teile entfernt, bis sie am Ende eine schöne Form ergeben haben (ich hoffe ich beschreibe das richtig so, ich habe es ja selber nicht gesehen ;-).) Als die Form dann stimmte, wurde erst die Vorderseite mit mehreren Fäden vernäht, und dann die Rückseite als eine Naht.

Das 1. Ohr war dann zur Halbzeit fertig, und was war ich geflasht als ich in den Spiegel geschaut habe! Es sah wirklich so gut aus! An den Anblick der Fäden hatte ich mich schon gewöhnt von Fotos vorher, darauf war ich also seelisch vorbereitet und beruhigt hatte ich mich dann zwischenzeitlich auch endlich. Anschließend war das 2. Ohr dran, auch schön geworden! 19h war ich fertig, die Nervosität war weg und ich konnte den Anblick meiner neuen schönen – und ziemlich geschwollenen – Ohrläppchen genießen. Ich hatte auch keinerlei Kreislaufbeschwerden.

Direkt nach der Ohrlochrekonstruktion – Schwellung hat noch nicht eingesetzt.

Nach 15 Jahren ein krasser Anblick, die Ohren winzig im Vergleich zu vorher. Die Ohrläppchen sind sichtlich kürzer, meine Gesichtsproportionen sahen auf einmal ganz anders aus :-).

Direkt nach Schmuck entfernen ————— Direkt nach der Rekonstruktion ————— 7 Tage nach der Rekonstruktion ————— Direkt nach dem Fäden ziehen

Vorher bin ich schon informiert worden, dass sich die Lobes ordentlich verfärben können, es bilden sich bei so einem Eingriff natürlich Blutergüsse und die Ohren können auch noch ordentlich nachbluten und anschwellen zu Hause, das ist aber alles normal. Tatsächlich hatte ich dann abends auf der Couch am linken Ohr ein paar Tröpfchen die liefen, aber aufgrund der hellen Farbe war es eher Lymphflüssigkeit mit ein bisschen Blut gemischt, meine Ohren waren geschwollen, aber weniger als gedacht. Ein bisschen gezwickt hat es, aber ertragbar. Wundschmerz ist halt da, was ja auch klar ist, bei mir hat sich das eher in 3 Tage mittelstarke Kopfschmerzen geäußert, weil dieser Wundheilungsschmerz eben in Richtung meiner Schläfen und meines Nackens gezogen ist, aber auch das war erträglich, ich habe zum Schlafen eine Ibu 400 genommen.

Schlafen war ein etwas kompliziertes Thema, ich hatte vorher schon die Empfehlung bekommen mir ein Nackenhörnchen zu besorgen, das hab ich dann auch getan und benutzt, aber nicht im herkömmlichen Sinne. Ich habe mir die Öffnung unter das Ohr gedreht, damit keine Berührung der Lobes mit irgendetwas habe, so ging es dann tatsächlich ganz gut. Die ersten zwei Nächte bin ich etwa alle 2 Stunden wach geworden, nämlich dann, wenn ich mich umlegen wollte. Ich habe mittlerweile so viele Tattoos und Piercings, das mein Körper unterbewusst schon wach wird dafür, damit ich mich nicht mit Schwung drauf schmeiße :-). Die 3. Nacht ging es dann schon wieder besser und vorsichtig mit normalem zurechtgeformten Kissen, am Tag haben meine Ohren ordentlich gejuckt beim Heilen.

Am 4. Tag hatte ich kaum noch eine Schwellung, man konnte schon eine sichtbare Veränderung sehen, die Kopfschmerzen waren fast verschwunden und mich hat´s wieder am Ohr gekitzelt und weiter gejuckt zwischendurch.

Des Weiteren seht ihr hier die Entwicklung der Ersten Woche (wer kein Blut sehen kann, am besten erst die Bilder ab Tag 5 anschauen ;-)).

1.Tag nach der Ohrlochrekonstruktion.

2.Tag nach der Ohrlochrekonstruktion.

3.Tag nach der Ohrlochrekonstruktion (der Bluterguss beginnt).

4.Tag nach der Ohrlochrekonstruktion (mit schönem grünen Bluterguss hinterm Ohr).

5.Tag nach der Ohrlochrekonstruktion.

6.Tag nach der Ohrlochrekonstruktion.

7.Tag nach der Ohrlochrekonstruktion.

Die Ersten 2 Wochen bis zum Fäden ziehen, konnte man jeden Tag eine Veränderung feststellen, dies sieht sicher nicht bei allen so aus wie bei mir, ich habe eine sehr gute Wundheilung und hatte wie gesagt kaum eine Schwellung, minimales Nachbluten, an Tag 4+5 einen leichten gelblich-grünen Bluterguss hinter beiden Ohren, aber das ist praktisch gar nichts im Vergleich zu anderen. Mir ist auch nur 1 Faden raus gefallen, was anscheinend auch sehr wenig ist, aber ich habe auch wenig gefummelt :-). Es ist wohl ganz normal, dass das Ohr die Fäden rausdrängt oder sich schon mal etwas löst beim Schlafen, Umziehen, etc..

Zwei Wochen nach der Rekonstruktion war ich dann zum Fäden ziehen da, auch an dem Tag hat man sich wieder viel Zeit für mich genommen. Das Fäden ziehen zwickt etwas, ist aber erträglich. Da ich die Ohrläppchen 2 Wochen wie rohe Eier behandelt habe, habe ich mich trotz Ansage vorher ganz schön erschrocken als die Ohren am Schluss noch einmal gesäubert wurden :-). Ein ungewohntes Gefühl, aber alles fest zusammengewachsen. Danach waren die Ohrläppchen wieder leicht geschwollen und die Narben wirken sehr rot (bislang waren ja viele dunkle Fäden drauf, da sieht man das nicht so stark), wegen der angeregten Durchblutung, 1 Tag später war aber auch diese Schwellung fast weg und die Ohren sahen super aus.

Nach 2 Wochen/ Fäden frisch gezogen.

Nun folgen noch 5 Monate Abheilzeit, ich werde nach jeden Monat Fotos machen, um die Entwicklung meiner Ohren zu zeigen. Neue Ohrlöcher gibt es dann natürlich auch am Ende der Heilungsphase.

Mein Fazit ist, dass ich Casandra wärmstens empfehlen kann, und zwar zu 100%. Ich habe mich zu jeder Zeit gut aufgehoben und gut informiert gefühlt und werde mich definitiv dieses Jahr noch zur Entfernung meiner 2 Lippen-Piercingnarben wieder in ihre Hände geben. Erstmal lasse ich aber meine Öhrchen fertig verheilen :-).

1 Monat nach der Ohrlochrekonstruktion.

2 Monate nach der Ohrlochrekonstruktion.

3 Monate nach der Ohrlochrekonstruktion.

4 Monate nach der Ohrlochrekonstruktion.

5 Monate nach der Ohrlochrekonstruktion.

6 Monate nach der Ohrlochrekonstruktion.

Mit neuen Ohrlöchern!

Hier kommt ihr direkt auf die Tintenwerk – Seite